Jan 19

Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) – Prüfungsausschüsse

Das Kind hat einen Namen „Prüfungsordnung für die Durchführung von Fortbildungsprüfungen zum Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK)/zur Fachwirtin Wirtschaftsprüfung (WPK)“. Als Geburtstag dieses Kindes kann das Inkrafttreten der Prüfungsordnung gelten, also der 04.12.2019. Doch alleine laufen kann es natürlich noch nicht. Der „Vormund“, die WPK, muss zur Abnahme der Prüfungen erst noch Prüfungsausschüsse errichten. Geplant ist dies an den Standorten der sechs Landesgeschäftsstellen der WPK: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart.

Gemäß § 13 Abs. 2 der Prüfungsordnung besteht ein solcher Prüfungsausschuss aus mindestens drei sachkundigen Mitgliedern, die von der WPK für längstens fünf Jahre zu berufen sind. Im Unterschied zu anderen Prüfungskommissionen sind die Ausschüsse für den in Rede stehenden Fachwirt in ihrer Zusammensetzung also für einen überschaubaren Zeitraum (recht) stabil.

Interessant ist dabei die Struktur der Zusammensetzung eines solchen Ausschusses: So müssen diesem gemäß § 13 Abs. 3 Beauftragte der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in gleicher Zahl sowie mindestens eine Lehrkraft angehören. Dabei müssen wenigstens zwei Drittel der Mitglieder Beauftragte der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sein. Entsprechend besteht ein solcher Prüfungsausschuss aus mindestens drei Mitgliedern, er kann aber auch größer sein, wobei sich dann zumindest die Zahl der Beauftragten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in gleicher Weise erhöhen muss. Unser Schaubild macht deutlich: Während die Kandidaten in der mündlichen Prüfung also – in seiner Mindestgröße – einem „dreiköpfigen“ Ausschuss gegenübersitzen wird, kann der Ausschuss durchaus größer sein, wie die Alternativen A (5 Mitglieder) und B (6 Mitglieder) zeigen. Ein Ausschuss, der insgesamt 4 Mitglieder umfasst, ist praktisch nicht denkbar.

Klicken Sie hier, um die Prüfungsausschusszusammensetzung in einer Grafik zu sehen.

Die Mitglieder des Prüfungsausschusses haben Stellvertreter, wobei der Ausschuss im Vertretungsfall die Grundanforderungen an die Struktur weiterhin erfüllen muss. Eine Lehrkraft muss schließlich durch eine Lehrkraft vertreten werden usw.

Zudem regelt die PO als Anforderungen an die Prüfungsausschussmitglieder, dass diese für die Prüfungsgebiete sachkundig und für die Mitwirkung im Prüfungsausschuss geeignet sein müssen. Auch müssen sie hinsichtlich ihrer Prüfungsausschusstätigkeit unabhängig und nicht an Weisungen gebunden sein.

Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss ist nach § 13 Abs. 5 PO ehrenamtlich. Gleichwohl steht den Mitgliedern eine angemessene Entschädigung für Auslagen und Zeitversäumnis zu.

Aus seiner Mitte wählt der Prüfungsausschuss gemäß § 14 Abs. 1 PO einen Vorsitzenden und dessen Stellvertreter. Die beiden gewählten Personen dürfen dabei nicht derselben Mitgliedergruppe angehören. Im Falle eines Prüfungsausschusses der Mindestgröße ist diese Restriktion ohnehin in jeder Konstellation erfüllt.

Aufgabe der Prüfungsausschüsse ist nach § 14 Abs. 3 PO, Beschlüsse zu fassen über

  1. die Bewertung einzelner Prüfungsleistungen,
  2. die Bewertung der Prüfung insgesamt sowie
  3. über das Bestehen und Nichtbestehen der Prüfung.

Um Beschlüsse zu fassen, muss ein solcher Ausschuss natürlich beschlussfähig sein. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben, wenn mindestens zwei Drittel der Mitglieder des Ausschusses, mindestens jedoch drei Mitglieder, anwesend sind. Die Zwei-Drittel-Regelung ist für einen Ausschuss in Mindestgröße irrelevant, weil die Beschlussfähigkeit ohnehin nur gegeben ist, wenn mindestens drei Personen mitwirken. Im Beispielfall „Alternative A“ darf bestenfalls eine Person ausfallen (2/3, also 3,333, d. h. realiter 4 von 5 Personen müssen anwesend sein), im Beispielfall „Alternative B“ können sogar zwei Personen (2/3, also 4 von 6 Personen müssen anwesend sein) ausfallen.

Beschlüsse werden mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefasst, wobei eine Enthaltung nicht als abgegebene Stimme zählt. Sollte es bei einer Beschlussfassung zu einer Pattsituation kommen, gibt die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag. Hier bleibt zu hoffen, dass sich dieser im konkreten Fall nicht der Stimme enthalten hat.

Die Prüfung erstreckt sich über einen schriftlichen und einen (anschließenden) mündlichen Teil. Beim mündlichen Prüfungsteil sitzt der Prüfungsausschuss dem Kandidaten gegenüber und bewertet anschließend dessen Prüfungs(teil)leistungen nach der „Anhörung“ innerhalb der anwesenden Kommissionsmitglieder. Jede der drei Klausuren des schriftlichen Prüfungsteils ist hingegen gemäß § 9 Abs. 5 PO von zwei Mitgliedern des zuständigen Prüfungsausschusses zu begutachten. Die begutachtenden Mitglieder werden gemäß § 14 Abs. 4 PO vom Vorsitzenden des Ausschusses bestimmt, wobei die Mitglieder nicht derselben Gruppe angehören sollen (Soll-Regelung!). Diese Bewertung dient der Vorbereitung der Beschlussfassung des Prüfungsausschusses.

Ausschlussgründe für die Mitglieder der Prüfungsausschüsse ergeben sich bei Besorgnis der Befangenheit im Hinblick auf die zu prüfende Person. Diese kann nach § 15 Abs. 1 PO zum Beispiel bestehen, wenn ein Mitglied des Prüfungsausschusses mit dem Prüfling verwandt oder verschwägert bzw. dessen Betreuer oder dessen Arbeitgeber ist bzw. war.

Die WPK sucht auf ihrer Netzseite nach Berufsvertretern, die als ordentliches oder stellvertretendes Mitglied in einem Prüfungsausschuss für den „Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK)“ mitwirken.

In der Verantwortung der Prüfungsausschüsse liegt, dass die Anforderungen an die zukünftigen „Fachwirte Wirtschaftsprüfung (WPK)“ in einem angemessenen Rahmen bleiben. Diese Verantwortung obliegt auch allen Mitgliedern eines noch zu bildenden Aufgabenerstellungsausschusses, der sich für die konkreten Inhalte der Klausuren verantwortlich zeigen wird. Ein solcher Fachwirt soll schließlich kein „kleiner WP“ bzw. kein „Mini-WP“ werden, sondern etwas Eigenes sein, das den Anforderungen an einen (zertifizierten) qualifizierten Mitarbeiter genügt. Der „Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK)“ muss so (gemäß § 4 Abs. 1 PO) vor allem in der Lage sein, eine gesetzliche oder freiwillige handelsrechtliche Jahresabschlussprüfung sowie eine Prüfung des Lageberichts in allen wesentlichen Belangen selbstständig und in laufender Abstimmung mit dem verantwortlichen WP/vBP durchzuführen.

Wir informieren Sie demnächst u. a. über die Zielgruppen der Fortbildungsprüfung, den Inhalt, den Ablauf und das Bestehen der Prüfung sowie die damit verbundenen Kosten. Senden Sie gern auch Ihre Fragen an info@dawur.de.

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