Jan 20

Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) – Die Zielgruppen

Im Hinblick auf den neu ins Leben gerufenen Fachwirt Wirtschaftsprüfung WPK stellt sich die Frage, welche Personengruppen potentielle Kandidaten für diese Fortbildungsprüfungen sind. Hierzu lohnt ein Blick in die Prüfungsordnung (PO), wobei wir Sie mit nachfolgenden Ausführungen unterstützen.

Ein Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) soll in WP-Gesellschaften die verantwortlichen WP/VBP

  1. bei gesetzlichen und freiwilligen handelsrechtlichen Jahresabschlussprüfungen sowie
  2. bei sonstigen betriebswirtschaftlichen Prüfungen

unterstützen.

Zielgruppen nach Karriereziel

Da es um die Unterstützung der Berufsträger geht, wird hiermit eine qualifizierte Position unterhalb des WP/vBP geschaffen. Bezüglich des Karriereziels zählen deshalb u. E. zu den Zielgruppen

  1. Mitarbeiter von WP-Gesellschaften, die kein WP-Examen anstreben, sondern den Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) als finales Karriereziel ansehen,
  2. Mitarbeiter von WP-Gesellschaften, die später das WP-Examen anstreben, vorab aber grundlegende Fertigkeiten erwerben und sich diese zertifizieren lassen wollen sowie
  3. Mitarbeiter von WP-Gesellschaften, die ihre spezifischen Fähigkeiten erweitern (oder einfach nur zertifizieren lassen) möchten, um diese später z. B. in Führungspositionen bei einem nicht prüfenden Unternehmen zu nutzen.

Zielgruppen nach Vorbildung und Berufserfahrung

Schaut man sich in § 2 der PO die Zulassungsvoraussetzungen zur Prüfung an, stellt man fest, dass sich das Angebot insbesondere richtet an

  1. Berufseinsteiger nach einem Bachelor- bzw. Masterstudium,
  2. Quereinsteiger mit und ohne Berufsausbildung sowie
  3. erfahrene Mitarbeiter von WP-Gesellschaften ohne Berufsexamen.

Konkret müssen im Hinblick auf den „Vorabschluss“ und die Berufserfahrung drei (Ziel-)Gruppen unterschieden werden, wie es auch aus dem Schaubild hervorgeht:

Gruppe A: Personen mit einer erfolgreich abgelegten Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf mit kaufmännischem, verwaltendem oder IT-Bezug sowie mit einer auf die Berufsausbildung folgenden mindestens 3-jährigen Berufspraxis (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 PO)

Gruppe B: Personen mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium (Regelstudienzeit mindestens sechs Semester) sowie mit einer auf das Studium folgenden mindestens 2-jährigen Berufspraxis (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 PO)

Gruppe C: Personen mit mindestens 6-jähriger Berufspraxis (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 PO)

Die Berufspraxis muss dabei gemäß § 2 Abs. 2 PO insofern einschlägig sein, als diese bei einer Stelle nach § 8 Abs. 2 Nr. 1 WPO erworben wurde. Als einschlägig gelten entsprechend Beschäftigungszeiten bei WP, einer WP-Gesellschaft, vBP, einer BP-Gesellschaft, einem genossenschaftlichen Prüfungsverband oder der Prüfungsstelle eines Sparkassen- und Giroverbandes bzw. einer überörtlichen Prüfungseinrichtung für Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts.

Hier können Sie die Zulassungsvoraussetzungen für den Fachwirt Wirtschaftsprüfung sehen.

Darüber hinaus findet sich in § 2 Abs. 3 PO noch eine Art Öffnungsklausel für jene Fälle, in denen Personen der WPK glaubhaft machen können, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse erworben zu haben, die der beruflichen Handlungsfähigkeit vergleichbar sind und die eine Zulassung zur Prüfung rechtfertigen. Offen ist, wofür und inwieweit diese Klausel in praxi genutzt werden wird. Diskussionswürdig können diesbezüglich z. B. Fälle von (Pflicht-)Praktikumszeiten sein, die vor dem notwendigen Abschluss erbracht wurden.

Zur Erläuterung der Zulassungsvoraussetzungen ein paar Beispiele:

  1. Albert hat eine Ausbildung zum Bankkaufmann erfolgreich abgeschlossen. Sofern er im unmittelbaren Anschluss drei Jahre bei einer WP-Gesellschaft beschäftigt ist, wird der Zulassung zur Prüfung zum Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK) durch die WPK nichts im Wege stehen (siehe Zielgruppe A).
  2. Mathilde hat eine Ausbildung zum Sparkassenkaufrau erfolgreich abgeschlossen. Anschließend war sie zwei Jahre bei der regionalen Sparkasse in der Baufinanzierung tätig. Dann wechselte sie zur Prüfstelle des Sparkassen- und Giroverbandes und arbeitete dort drei Jahre. Sie verfügt also über eine einschlägige Ausbildung und die notwendige Berufspraxis von mindestens drei Jahren (siehe Zielgruppe A). Ihrem Zulassungsantrag dürfte stattgegeben werden, auch wenn die einschlägige Berufspraxis nicht unmittelbar auf die Ausbildung folgt. Die diesbezügliche Formulierung in § 2 Abs. 1 Nr. 1 PO „eine auf die Berufsausbildung folgende mindestens dreijährige Berufspraxis“ sollte so zu interpretieren sein, dass diese „lediglich nach“ und nicht „unmittelbar im Anschluss“ an die Ausbildung zu erbringen ist.
  3. Peter ist examinierter Krankenpfleger. Nach seiner Ausbildung und ersten Berufserfahrungen als Krankenpfleger arbeitet er als Quereinsteiger bei seinem zukünftigen Schwiegervater in einer WP-Praxis. Sofern er in dieser Praxis im Sinne einer einschlägigen Berufspraxis mindestens sechs Jahre tätig war, hat sein Zulassungsantrag Aussicht auf Erfolg (siehe Zielgruppe C).
  4. Carola hat ihr BWL-Bachelor-Examen mit einer Regelstudienzeit von sechs Semestern erfolgreich bestanden. Anschließend war sie zehn Monate in einer WP-Gesellschaft tätig. Nach einer Babypause hat sie in einer anderen WP-Gesellschaft angefangen und ist dort mittlerweile 14 Monate tätig. Die Unterbrechung der Tätigkeit wird im Hinblick auf den Zulassungsantrag nicht schädlich sein. Diesem wird also stattgegeben, denn sie verfügt nun auch über die notwendige einschlägige Berufspraxis (siehe Zielgruppe B).
  5. Paul hat seinen BWL-Bachelor kurz vor dem Examen abgebrochen. Anschließend arbeitet er nunmehr schon seit fünf Jahren bei einer WP-Gesellschaft. Dem Zulassungsantrag kann grundsätzlich erst stattgegeben werden, wenn Paul ein weiteres Praxisjahr absolviert hat Zielgruppe C). Allerdings könnte Paul ein Fall für die Öffnungsklausel sein (siehe Zielgruppe D).
  6. Gottfried war mehrere Jahre als approbierter Arzt tätig. Nach Scheidung und Sinnkrise fing er in einer WP-Gesellschaft an. Hat er so zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung gesammelt, wird seinem Zulassungsantrag ebenfalls nichts im Wege stehen (siehe Zielgruppe B).

Als „Fachwirt Wirtschaftsprüfung (WPK)“ kann man sich entsprechend bezeichnen, sofern man die diesbezüglichen (in den §§ 3 ff. der in Rede stehenden PO benannten) beruflichen Handlungsfähigkeiten zum einen besitzt und diese zum anderen im Rahmen der von der WPK verantworteten Prüfung auch erfolgreich nachgewiesen hat. Von Bedeutung ist also nicht nur die Zulassung zur Prüfung, sondern auch das Bestehen der Prüfung. Vor diesem Hintergrund ist es sehr zu empfehlen, Vorbereitungskurse zu besuchen, in denen das relevante Fachwissen kompakt, systematisch und praxisbezogen vermittelt wird. Hierfür stehen wir mit unserer langjährigen Erfahrung mit dem Zertifizierungslehrgang „DAWUR Prüfungsfachwirt“®.  Nehmen Sie mit uns gerne Kontakt auf: info@dawur.de

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