Jun 24

Woher stammt der Begriff der Werbungskosten im Einkommensteuerrecht?

Lesezeit 4 Minuten (ca. 500 Wörter)

Der Begriff der Werbungskosten im Kontext des Steuerrechts scheint den meisten Sachkundigen klar zu sein. Bezogen auf die fachliche Bedeutung ist dies wohl auch richtig. Doch worin hat der Begriff überhaupt seinen Ursprung und warum wurde eben der Begriff Werbungskosten verwendet?

Die wohl bekannte Bedeutung der Werbungskosten ist im deutschen Einkommensteuergesetz in § 9 zu finden. So werden sie in § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG wie folgt definiert: „Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen.“ Diese Kosten stehen also im direkten Verhältnis zu der Erwerbstätigkeit und werden im Rahmen der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens eines Steuerpflichtigen, welcher Einnahmen aus Überschusseinkunftsarten erzielt, von der Einkunftsart abgezogen, aus der sie erwachsen sind (§ 9 Abs. 1 Satz 2 EStG). Zu den Überschusseinkunftsarten zählen Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit gemäß § 19 EStG, Einkünfte aus Kapitalvermögen i. S. d. § 20 EStG, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung laut § 21 EStG und sonstige Einkünfte gemäß § 22 EStG.

Historisch lässt sich die Entwicklung der Norm bis in das Jahr 1807 zurückverfolgen. Das Wort „Werbungskosten“ selbst wurde erstmals im preußischen Einkommensteuergesetz vom 19.06.1906 verwendet. Dort wurden diese als „Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Ertrags“ beschrieben und mussten von den Bruttoeinnahmen aus den in § 6 Preuß. EStG 1906 benannten Einkommensquellen abgezogen werden. Seither ist die Norm ununterbrochen im Einkommensteuergesetz vertreten. Im Einkommensteuergesetz von 1920 und 1925 war die Norm ebenfalls sinngemäß enthalten. Als Werbungskosten galten hier „zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einkünfte gemachte Aufwendungen“. Eine Änderung ergab sich im EStG vom 10.08.1949, wonach die Bezugsgröße nicht mehr „Einkünfte“, sondern „Einnahmen“ darstellt. Seither blieb § 9 EStG unverändert. Doch warum wurde der Begriff Werbungskosten verwendet?

Die erste Assoziation, die der Begriff der Werbungskosten bei vielen Menschen hervorruft, ist wohl Werbung als Teil des Marketings, der Reklame, der Bewerbung von Produkten oder Dienstleistungen. Ein Erklärungsansatz hierfür könnte darin gesehen werden, dass die Erzielung von Einnahmen – und damit auch die Arbeit selbst – attraktiver gemacht werden soll. So können beispielsweise Fahrtkosten zur Arbeitsstätte von den Einnahmen abgezogen werden und müssen somit nicht besteuert werden. Die Arbeit selbst würde also „beworben“ werden. Dies ist mit dem Begriff der Werbungskosten jedoch nicht gemeint. Vielmehr sind die Kosten für die Erwerbung von Einnahmen gemeint. Das Konzept der Werbungskosten ist als Ausprägung des objektiven Nettoprinzips zu sehen. Es ist wiederum ein Ausdruck des Leistungsfähigkeitsprinzips, welches die Besteuerung nach der persönlichen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen vorsieht. Die Funktion der Werbungskosten i. S. v. „Erwerbungskosten“ besteht also darin, die mit den Bruttoeinnahmen überhöht ausgewiesene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf das Maß der tatsächlichen Leistungsfähigkeit als Grundlage der Besteuerung zu reduzieren. Beträge, die im Rahmen der Erzielung von Einkünften aufgewendet werden, stehen nicht mehr der Lebensführung zur Verfügung und mindern somit die Leistungsfähigkeit.

Der Begriff der Werbungskosten ist im deutschen Einkommensteuergesetz also durchgehend vertreten und beschreibt gemäß § 9 EStG die beruflich veranlassten Aufwendungen, die in einem direkten Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit stehen. Der Begriff Werbungskosten hat seine Wortherkunft dabei nicht aus dem Gebiet der Werbung, sondern meint „Erwerbungskosten“.

Avatar

Über DAWUR GmbH

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.